Schlosspark Schönbrunn
Der barocke Schönbrunner Schlosspark ist aus einem in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts angelegten Jagdgebiet Kaiser Maximilians II. (1564-1576) entstanden. Zeitgleich mit dem Bau des Schlosses von 1696 bis 1700 nach dem Entwurf von Johann Bernhard Fischer von Erlach und seinem Ausbau von 1743 bis 1749 durch Nicolaus Pacassi gestaltete man ab der Jahrhundertwende zum 18. Jahrhundert den kaiserlichen Prachtgarten. Erste Phasen dieser Entwicklung waren die Gestaltung von schlossnahen Gartenbereichen durch Jean Trehet Ende des 17. Jahrhunderts und die Anlage einiger Boskette in der 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Hauptphase der barocken Gartengestaltung lag in der Regierungszeit Kaiserin Maria Theresias (1740-80). Die Kaiserin baute den Park gemeinsam mit ihrem Mann Franz Stephan von Lothringen aus. Als Gartenkünstler waren Jean Nicolas Jadot, Jean Brequin de Demange, Louis Gervais und Adrian von Steckhoven tätig. Die Gartenarchitekturen wurden vornehmlich von Johann Ferdinand Hetzendorf von Hohenberg entworfen. Zwei Architekturen stammen von Isidor Ganneval (Canevale). Der Bildhauer Wilhelm Beyer gestaltete mit Johann Baptist Hagenauer und Benedict Henrici die Skulpturen im Park und auf den Gartenarchitekturen. Im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts folgten unter den Hofgartendirektoren Heinrich Schott und Anton Umlauft landschaftliche und formale Umgestaltungen einiger weniger Gartenpartien. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden umfassende gärtnerische Erneuerungsarbeiten unter Hofgartendirektor Adolf Vetter vorgenommen. 1928 gingen Schloss und Schlosspark Schönbrunn aus dem Besitz der Habsburger in das Eigentum der Republik Österreich über. Das 20. Jahrhundert brachte ab den 1930er bis in die 1990er Jahre deutliche Flächenreduktionen der Anlage durch Einbauten externer Institutionen.Der Garten ist als Parkschutzgebiet gewidmet und als Wiener Schutzzone und Landschaftsschutzgebiet geschützt. Seit 1996 sind Schloss und Schlosspark Schönbrunn UNESCO-Weltkulturerbe. Die Unterschutzstellung unter den Denkmalschutz ist in Vorbereitung. Das Areal südlich der Gloriette ist „Geschütztes Biotop“.
Der Park hat seine barocke, die Gesamtanlage prägende Gestaltung im Wesentlichen bis heute erhalten. Über die Jahre ist der Gehölzbestand der Alleen und Hecken partiell überaltert und es entstanden einige pflegetechnisch bedingte Verschleifungen wie der Entfall von Heckennischen, das Herabsetzen ehemals mannhoher Hecken und zu zahlreiche Baumpflanzungen. Die im 19. und frühen 20. Jahrhundert umgestalteten Partien sind ebenfalls gut erhalten. Eingriffe in das Gesamtkunstwerk Schönbrunn stellen die z. Zt. nicht revidierbaren externen Nutzungen ehemaliger Parkareale dar (Berggarten, Teile des Großen Fasangartens, Tirolergarten).
Die Revitalisierung des Schlossparks erfolgte seit Anfang der 1990er Jahre durch die Bundesgärten. Grundlage sind zwei Parkpflegewerke (Brigitte Mang und Beatrix Hajós) und das Gutachten zur Denkmal-Unterschutzstellung des Schlossparks Schönbrunn (Brigitte Mang) sowie die darauf aufbauenden Detailplanungen für die einzelnen Projekte. Seit 1991 wurden achtzehn Gartenräume und Bosketts revitalisiert: der Garten Am Keller in den Meidlinger Kammergärten (1999-2003), der Große Kastaniensaal (1991) und der Gartenraum westlich des Runden Kastaniensaals (1998) in den Hietzinger Kammergärten, das Große Parterre (2003-06), die Gehölzkulisse um den Neptunbrunnen (seit 1998), die Bereiche nördlich der Gloriette (2001), das Boskett Bei der Kaiserfigur (1996), der Zentrale Bereich (1999), das Boskett Taubenhausanlage (1999), die Gartenpartien um die Römische Ruine (2003) und um den Obelisk (2006) sowie das Lindenwäldchen (2007) im Meidlinger Boskettbereich, das Boskett Beim Fischbassin (1997), der Zentrale Bereich (1999), der Irrgarten (1999-2007), die Kurze Kastanienallee (1998), der Heckensaal und das Heckenkabinett im Boskett Beim Schützen und Maroniwäldchen (2004/05) sowie das Lindenwäldchen (2007) im Hietzinger Boskettbereich, das Alpinum am Grossen Palmenhaus (1998-99) und der Botanische Garten - Arboretum Schönbrunn (seit 2004). Die Restaurierung der Gartenarchitekturen wie der Gloriette, des Neptunbrunnens, der Römischen Ruine, des Obelisk und anderer sowie jene der künstlerischen Ausstattung wie der Statuen und der Wasserbecken erfolgt seit 1992 kontinuierlich durch die Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsgesellschaft. Der Ehrenhof wurde von der Betriebsgesellschaft 1996-98 erneuert.
Für 2007/08 sind die Revitalisierungen des Fichtengangs und der Partie südlich der Gloriette in Vorbereitung. An der Revitalisierung des Botanischen Gartens - Arboretum Schönbrunn wird kontinuierlich gearbeitet. Die Alleen und Hecken im gesamten Park werden stetig einzeln und bereichsweise erneuert.
Die gartendenkmalpflegerischen Ziel- und Leitzustände für die Revitalisierungen wurden für die Parkanlage generell und für die einzelnen Gartenräume, Bosketts und Parkpartien im speziellen in den Parkpflegewerken und im Gutachten festgesetzt. Die Leitzustände basieren auf der jeweiligen ursprünglichen Entstehungsphase (so sie heute noch besteht), der Überlagerung der einzelnen Entwicklungsschichten des Gartens und der jeweils jüngsten Gestaltungsphase als gültigem Zielzustand. Gartenräume und Gartenarchitekturen, deren historischer Bestand nicht mehr erhalten ist, wie der mittlere Pavillon im Garten Am Keller, der Pavillon in der Irrgartenallee (Neubau voraussichtlich 2008/09) und die nordöstliche Partie des Irrgartens, wurden bzw. werden zeitgemäß neu gestaltet.
Die Revitalisierungen wurden und werden aus den jährlichen Budgets der Bundesgärten finanziert. Sondermittel stehen im Regelfall nicht zur Verfügung. Die Gehölze für die Neupflanzungen werden in der Baumschule der Bundesgärten im Augarten gezogen. Die Bewässerung wird im Zuge der Revitalisierungen generell auf automatisierte Systeme umgestellt. Die Erhaltung der revitalisierten Gartenpartien wird im Rahmen der laufenden Parkpflege vorgenommen.
Die Kosten für die Restaurierungen der Gartenarchitekturen und der künstlerischen Ausstattung trägt die Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsgesellschaft in ihrem Zuständigkeitsbereich.
office@bundesgaerten.at

