Vermehrung Sisi-Palme
im Grossen Palmenhaus im Schlosspark Schönbrunn.Ziel der Bundesgärten ist es, die Sisi-Palme zu vermehren. Mit Hilfe der sogenannten Meristemvermehrung, der bei Palmen einzig möglichen vegetativen Vermehrungsart, sind wir bemüht Nachkommen heranzuziehen. Die Vermehrung der Sisi-Palme erfolgt in Kooperation mit der HBLFA für Gartenbau Schönbrunn.
Die Meristemvermehrung_Pflanzen aus der Retorte
Der französische Forscher Morel entwickelte um 1960 die Meristemvermehrung, um Pflanzennachkommen
kostengünstig und in hoher Anzahl zu produzieren. Die Methode eignet sich auch für die Herstellung erbgleicher Nachkommen (Klone) seltener Varianten von Naturformen und bei Nachzüchtungen.
Bei der Meristemvermehrung wird der Pflanze teilungsfähiges Gewebe, das so genannte Meristem (Bildungsgewebe), in der Größe von zumeist 0,5–1 mm möglichst aus einer Wachstumszone entnommen und steril in flüssigen Nährboden gesetzt. Um die Bildung von Wurzeln und Blättern aus den einzelnen Zellen, die den kompletten Bauplan der Pflanze enthalten, zu verhindern, werden die Vermehrungsgläser laufend gedreht oder geschüttelt. Die gewonnenen Zellklumpen werden auf einen festen Nährboden gelegt und reifen als In-Vitro-Kulturen mit Wurzeln und Blättern zu Pflanzen heran. Bei Erreichung der entsprechenden Größe werden die Pflanzen den Gläsern entnommen und auf herkömmlichen Substraten weiter kultiviert. Die Nachkommen weisen die gleichen Erbinformationen wie die Mutterpflanzen auf. Eingriffe in die Erbinformationen erfolgen nicht. Die Meristemvermehrung ist im Wesentlichen mit der herkömmlichen Stecklingsvermehrung vergleichbar. Vorteile der Vermehrungsart sind die produktionsmäßig
höhere Effizienz und die virusfreie Vermehrung. Angewandt wird die Methode insbesondere bei Orchideen.
Die Meristemvermehrung in den Bundesgärten
In Österreich wurde die Meristemvermehrung Mitte der 1960er Jahre in den Bundesgärten Schönbrunn begonnen. Man entwickelte in den eigenen Werkstätten ein Meristemrad mit vier Umdrehungen pro Minute, das heute noch in Verwendung ist. Der damalige Orchideen-Kultivateur Julius Brunner war mit der Vermehrungsmethode bei zahlreichen Züchtungen und seltenen Wildformen erfolgreich. Von einigen historischen Sorten, die nur noch mit Einzelstücken vorhanden waren, konnten große neue Bestände produziert werden.
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