Orangerie

Um 1754 wurde neben Versailles die größte Orangerie in Europa im nordöstlichsten Bereich des Schlosspark Schönbrunn errichtet. Sie eignet sich, exotische, nicht winterharter Pflanzen zu überwintern. Vor allem Zitrusbäumchen wurden in den Wintermonaten vor den Einwirkungen des Frostes hier geschützt. Geheizt wird das Gebäude über eine Hypokaustenheizung, das ist eine römische Kanalheizung.

In Wien werden seit über 450 Jahren Zitruspflanzen kultiviert. Erstmals erwähnt wurden Pomeranzenbäume (Bitterorangen) 1542 an der Hofburg in der Innenstadt. Auch in Schönbrunn gibt es eine sehr lange Tradition dieser kostbaren Pflanzen. Nachweisbar sind sie hier seit 1647. Neben Bitterorangen wurden viele weitere Gewächse aus den Mittelmeerländern wie Granatapfel, Myrthe, Rosmarin, Oleander, Olive oder Lorbeer kultiviert. Allmählich entstanden immer größere Sammlungen.

Diese nicht frostharten subtropischen Pflanzen benötigen nördlich der Alpen einen frostfreien Winterschutz. Nach anfänglichen, unterschiedlichen Versuchen wurden ab dem späten 17. Jahrhundert in vielen herrschaftlichen Gärten in Europa eigene Gebäude zur Überwinterung dieser Pflanzen errichtet. Da die Bitterorangen die umfangreichste Pflanzengruppe waren, entstand die Bezeichnung Orangenhäuser. Im Sommer schmücken die Orangenbäume bis heute die Schlossgärten.

Die Pflanzen, der Sommerstellplatz und das Überwinterungshaus wurden früher als Einheit gesehen. Lange verstand man unter einer Orangerie diese drei Teile. Erst seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts wird der Begriff nur noch für das Gebäude verwendet.

 

Das Schönbrunner Orangeriegebäude wurde um 1754 im Auftrag von Kaiser Franz I. Stephan und Maria Theresia vermutlich von Hofarchitekt Nicolaus Pacassi geplant und errichtet. Das Gebäude ist mit 189 Metern Länge nach der Versailler Orangerie die größte in Europa. Im Osten schließt sich das halbrunde Cedrathaus an, in dem bei etwas höheren Temperaturen vor allem Zedratzitronen überwintert wurden. Zitrus- und andere Orangeriepflanzen werden bei Temperaturen von 5-8 °C überwintert. Das Schönbrunner Orangeriegebäude wird mit einer Rauchkanalheizung temperiert, die bis heute mit Holz aus dem Park befeuert wird.

Heute ist das Schönbrunner Orangeriegebäude zweigeteilt. Im östlichen Drittel werden ganzjährig Konzerte veranstaltet. Im größeren westlichen Bereich werden Kalthauspflanzen von Mitte Oktober bis Mitte April bei einer Temperatur von etwa 8 °C überwintert. Die Zitruspflanzen verbringen den Winter in Glashäusern im Feldgarten.

Dem Gebäude vorgelagert ist das Orangerieparterre, in dem ursprünglich auch die Zitruspflanzen aufgestellt waren. Die starken Westwinde in diesem Bereich führten regelmäßig zu großen Schäden an den Pflanzen, so dass seit der Mitte des 19. Jahrhunderts die Zitruspflanzen an verschiedenen anderen Stellen im Park aufgestellt werden. Seither schmücken weniger empfindliche Pflanzen diesen Lust- und Nutzgarten.

Während der Wintersaison sind nur die frostfesten, heimischen Obstgehölze zu sehen. Im Sommer schmücken drei Pflanzengruppen den Garten:

 

Historische Orangeriepflanzen aus dem mediterranen Raum:

vornehmlich immergrüne blühende Gewächse des Mittelmeerraumes: Brautmyrte Maria Theresias (seit 1736 in Kultur), Myrtenbäume in Formschnitt, Ölbäume, Feigenbäume,

Lorbeerbäume, Oleander, Granatäpfel, Schmucklilien, sechs Meter hohe Hanfpalmen und 20 über 150 Jahre alte Dattelpalmen.

 

Sammlung exotischer Pflanzen:

Robuste exotische Pflanzen ergänzen seit dem 19. Jahrhundert den historischen Orangeriepflanzenbestand:

diverse Yuccaarten, Engelstrompeten, Gewürznelkenbäume in Formschnitt (Syzygium), Cordyline, Macadamianuss, Eisenholzbaum und in Afrika vom Aussterben bedrohte Steineiben (Podocarpus).

 

Obstgehölze:

Der Orangeriegarten wurden immer wieder auch als Küchengarten zur Erzeugung von Obst und Gemüse für die Hofküche genutzt. In Kooperation mit der Weinbauschule Klosterneuburg und

dem Verein Arche Noah wurden, alte, vor 1900 in Österreich übliche Obstsorten gepflanzt,

unter anderem Tafel- und Haushaltsäpfel wie Brünnerling (16. Jh.), Winterkalvill (16. Jh.), Generalsapfel (17. Jh.), steirische Schafsnase (18. Jh.) und Zigeunerapfel (18. Jh.).

 

Das Schönbrunner Orangeriegebäude wurde, wie viele andere Orangerien auch als Festsaal genutzt. Im Winter war es ein beliebter Aufenthaltsort, wenn die immergrünen Zitrusbäumen blühen und fruchten. Darüber hinaus war es der größte beheizbare Raum in Wien. Für die Gärtner waren diese Feste große Herausforderungen, da die Pflanzen wegen der Witterung im Raum verbleiben und gleichzeitig Platz für eine festliche Tafel und Bühnen geschaffen werden musste.

Zwei dieser Feste ragen besonders hervor. Am 6. Februar 1785 feierte Kaiser Joseph II. ein „Frühlingsfest an einem Wintertage“ im Orangeriegebäude. Zu diesem Fest waren Gäste aus dem in- und ausländischen Hochadel geladen. Ein Mittagsmahl wurde serviert und auf Bühnen am westlichen und östlichen Gebäudeende eine Komödie und eine Oper aufgeführt. Dieses Fest war so erfolgreich, dass der Kaiser ein Jahr später, am 7. Februar 1786 erneut in das Schönbrunner Orangeriegebäude einlud. Berühmt wurde dieses Fest, da Antonio Salieri und Wolfgang Amadeus Mozart für diesen Anlass Auftragsstücke geschrieben hatten. Mozart ließ das einaktige Singspiel „Der Schauspieldirektor“ uraufführen, Salieri die einaktige Oper „Prima la musica, poi le parole“.

Bis in die 1850er Jahre wurde das Orangeriegebäude immer wieder anlässlich von Staatsbesuchen als längster Speisesaal Wiens genutzt.

 

Öffnungszeiten

1. April - 30. Juni

09.00 - 17.00 Uhr

1. Juli - 31. August

09.00 - 18.00 Uhr

1. September - 26. Oktober

09.00 - 17.00 Uhr

27. Oktober - 3. November

09.00 - 16.00 Uhr

In den Wintermonaten von November bis März ist die Orangerie geschlossen.

Veröffentlicht am 16.10.2018