Lehrlingsprojekt: Ein Erfahrungsbericht zur Kultivierung unter künstlichem Licht

Am Beispiel der Studentenblume zeigt unser Lehrling den Entwicklungszyklus von der Aussaat bis zur adulten Pflanze.

Am Beispiel der Studentenblume (Tagetes) zeigt unser Lehrling Maximilian K. einen kompletten Entwicklungszyklus von der Aussaat bis zur adulten Pflanze, kultiviert unter künstlichem Licht. Der Erfahrungsbericht stammt von ihm.

Aufbau des Experiments: Vorbereitungen

Als „Versuchsraum“ wurde ein Growzelt mit den Maßen 70 × 35 × 150 cm verwendet. Dieses Pflanzenzelt besitzt reflektierende Wände sowie vier Luftlöcher (10 × 10 cm). Um die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit konstant zu halten und die „benutzte“ Luft abzutransportieren, wurden für Zu- und Umluft von mir zwei PC-Ventilatoren an den untersten zwei Luftlöchern angebracht. Eine Abluft ist nicht nötig, da die Ventilatoren im unteren Sektor die Luft ins Zelt drücken.

Ich habe sechs LED-Lampen unterschiedlicher Stärke montiert, welche ich auf zwei Ebenen aufteilte. Als Substrat wurde eine Bio-Anzuchterde verwendet, die mit Perlit ergänzt wurde. Außerdem verwende ich zwei Bio-Dünger, wobei einer mehr Kalium und Stickstoff enthält, der andere mehr Phosphor und Kalium.

 

Da die Pflanzen beim Anwachsen eine etwas höhere Luftfeuchtigkeit benötigen, hielt ich sie bis zur dritten Woche zwischen 50 % und 60 %. Danach lag die Luftfeuchtigkeit konstant bei etwa 40 %, um das Risiko für Pilze und andere pilzbezogene Erkrankungen zu minimieren. Die Temperatur schwankte zwischen 23 Grad in der Nacht und maximal 30 Grad am Tag.

Aussaat und Anzucht

Am 03.08. wurden Samen von Tagetes patula ausgesät. Die Lichtdauer habe ich auf 16 Stunden eingestellt und die Lichter dabei so positioniert, dass die Pflanzen eine photosynthetisch aktive Strahlung (PAR) von 200 bis 210 µmol m-2 s-1 bekommen.

Der Daily Light Integral (DLI) beschreibt die „tägliche Lichtmenge“ für Pflanzen. Zu viel Licht könnte zu Stress und damit zu „verbrannten“ Blattspitzen oder zum Welken der Blätter führen. Für die Anzucht ist der verwendete DLI von 11,5 mol m-2 d1 passend.

 

Nach nur vier Tagen waren die Jungpflanzen gekeimt und pikierreif. Ich habe wegen des knappen Platzes früh vereinzelt und nur die optisch stärksten Pflanzen ausgewählt. In der ersten und zweiten Woche wurde dem Gießwasser ein Wurzelstimulator hinzugefügt.

Nach Woche zwei konnte ich beobachten: keine Schädlinge, Pflanzen reagieren gut auf Licht und Lichtintensität, keine Mängel feststellbar.

Am 17.08. habe ich die Tagetes umgetopft und sieben behalten. Weiters gab es die erste Düngegabe mit stickstoff- und kaliumbetontem Dünger und das Licht wurde auf 250 bis 270 µmol m-2 s-1 erhöht (DLI von 14,40 bis 15,55 mol m-2 d1). Am selben Tag habe ich die Tagetespflanzen pinziert. Dies unterstützt die Pflanzen dabei, Nährstoffe, Wasser, Proteine und Enzyme in die neuen Austriebe zu verlagern.

 

Nur eine Woche später habe ich die Düngermenge des phosphor- und kaliumbetonten Düngers sowie des stickstoff- und kaliumbetonten Düngers erhöht, wieder umgetopft und die Lichtintensität auf 400 bis 420 µmol m-2 s-1 gesetzt (DLI von 23,04 bis 24,19 mol m-2 d1). Dieser Wert ist ideal für Frucht- und Blütenbildung.

Wegen der hohen Düngemenge habe ich die Tagetes in der Woche darauf weniger gedüngt. Wieder eine Woche später habe ich die Tagetes in ihren Endtopf gesetzt und stark gedüngt, um eine kräftige und reichliche Blüte zu gewährleisten. Ich habe abermals gedüngt, da die hohe Lichtintensität und die Dauer der Bestrahlung die Pflanzen stark wachsen lassen. Sie bekommen im Zelt keinen Schatten und auch keine wolkigen Tage. Deshalb betreiben sie durchgehend Photosynthese und benötigen entsprechend mehr Dünger als konventionell kultivierte Pflanzen.

Veröffentlicht am 20.03.2026