120 Jahre Palmenhaus im Burggarten

Der historische Jugendstilbau feiert in diesem Jahr sein 120-jähriges Bestehen. 

 

120 Jahre Palmenhaus im Burggarten

Das Palmenhaus im Burggarten feiert heuer sein 120-jähriges Bestehen.

Bereits seit dem frühen 19. Jahrhundert werden an diesem Ort Pflanzen kultiviert, überwintert und für repräsentative Zwecke herangezogen. Die Pflanzen dienten als Dekoration für offizielle Anlässe in der Hofburg, für die kaiserlichen Privaträume sowie für die historischen Gartenanlagen.

Bis heute nutzen die Österreichischen Bundesgärten die südlichen Flügel des Palmenhauses für die Kultivierung von Kübel- und Dekorationspflanzen.

 

Die Geschichte des Palmenhauses beginnt 1818, als Kaiser Franz II./I. auf dem Gelände der zerstörten Burgbastei einen privaten Hofgarten anlegen ließ. Im Zuge dessen entstand nach Plänen von Ludwig von Rémy ein weitläufiges Glashaus, das als Standort der kaiserlichen Pflanzensammlung diente.

Bereits 1834 umfasste diese mehr als 17.000 Einzelpflanzen. Zu den Sammlungsschwerpunkten zählten Arten aus Australien und vom Kap der Guten Hoffnung, darunter insbesondere Pelargonien, daneben aber auch Palmen, Bromelien und Aronstabgewächse.

Die Sammlung spiegelte sowohl das botanische Interesse der Zeit als auch die intensive internationale Pflanzenakquisition des 19. Jahrhunderts wider.

 

Im Zuge der Erweiterung der Hofburg wurde das ursprüngliche Glashaus Anfang des 20. Jahrhunderts abgetragen. Zwischen 1902 und 1906 entstand nach Entwürfen Friedrich Ohmanns das heutige Palmenhaus.

Die großzügige Eisen-Glas-Konstruktion ermöglichte stabile Licht- und Klimaverhältnisse und schuf damit die Voraussetzungen für die Kultur empfindlicher Pflanzenbestände. Bis heute prägt diese funktionale Verbindung von Architektur und Gartenbau den Charakter des Jugendstilhauses.

Seit der Öffnung des Burggartens für die Öffentlichkeit entwickelte sich das Palmenhaus zunehmend auch zu einem Ort für Pflanzenausstellungen, welche gärtnerische Themen einem breiten Publikum zugänglich machen.

 

Heute können Besucherinnen und Besucher aus aller Welt einem Teil der Pflanzenbestände der Österreichischen Bundesgärten auch im Schmetterlinghaus besichtigen, das im Nordflügel des Palmenhauses untergebracht ist und aktuell zu den bekanntesten Orten für tropische Pflanzen in Wien zählt.

Betreut werden diese Bestände tagtäglich durch Gärtnerinnen und Gärtner der Österreichischen Bundesgärten. Die Pflanzen im Schmetterlinghaus stammen ausschließlich aus Eigenproduktion der Österreichischen Bundesgärten (Feldgarten und HBLFA für Gartenbau) und deren Auswahl erfolgt nicht nur auf Basis von optischen Merkmalen, sondern auch nach funktionalen Kriterien: Die Kulturen müssen als Futterpflanzen für die Schmetterlinge geeignet, ungiftig und stabil in das Ökosystem integrierbar sein.

Die tägliche Arbeit der Gärtnerinnen und Gärtner des Hauses umfasst ein breites Spektrum, das von der täglichen Pflege der Pflanzen im Schmetterlingshaus und der teils historischen Pflanzenbestände bis hin zur Überwinterung empfindlicher Gehölze reicht. Dazu gehören etwa Oliven- und Zitruspflanzen aus dem Belvederegarten, die im Palmenhaus während der kalten Jahreszeit gepflegt und für die nächste Vegetationsperiode vorbereitet werden.

Ein wesentlicher Teil der gärtnerischen Arbeit ist auch der Erhalt bestehender Pflanzenbestände, wie etwa eine rund 70 Jahre alte Fischschwanzpalme sowie mehrere ebenso alte Ficus-Exemplare. Ebenfalls wird ein historischer Palmenbestand in vergleichbarer Weise gepflegt.

Auch 120 Jahre nach seiner Errichtung bleibt das Palmenhaus ein wichtiger Standort für Pflanzenraritäten aus Österreichs grünem Erbe und wird von den Gärtnerinnen und Gärtnern der Österreichischen Bundesgärten bis heute mit großer Erfahrung in der gärtnerischen Praxis weitergeführt.

Veröffentlicht am 19.05.2026