Hofgarten Innsbruck

Der Innsbrucker Hofgarten besteht seit etwa 600 Jahren und ist rund zehn Hektar groß. Der Garten erlebte in dieser langen Zeit zahlreiche Umgestaltungen vom Renaissance- über den Barockgarten bis hin zum Landschaftspark.

Das Hofgartenareal lässt sich bis Herzog Leopold IV zurückverfolgen, der hier bereits im Jahr 1396 Obst- und Gemüsegärten unterhielt. 1410 erwarb Herzog Friedrich IV („mit der leeren Tasche“) diese Gärten von Innsbrucker Bürgern. Eine erste Veränderung in Richtung Lust- und Tiergarten erfuhr der Hofgarten unter Ferdinand I. Seine Söhne Ferdinand II und Maximilian (später Kaiser Maximilian II) verbrachten von 1533 bis 1543 ihre Jugend in der Burg zu Innsbruck und viel Freizeit im Hofgarten beim Spielen oder mit Gartenarbeiten.

1564 erbte Ferdinand II während seiner Zeit in Prag als Statthalter von Böhmen nach dem Tod seines Vaters die Herrschaft über Tirol, aber erst 1567 übersiedelte er nach Innsbruck.

Die von seinem Vater begonnene Gestaltung des „Rennplatzgartens“ entwickelte Ferdinand II unter Zukauf neuer Grundstücke zur „Gartenanlage Ruhelust“, einem Prunkgarten im zeitgemäßen Renaissance-Stil. In der Vielfalt und Aufwendigkeit der Ideen gehörte der Garten zu den frühesten und bedeutendsten Beispielen der Renaissancebaukunst im deutschsprachigen Raum. Nach italienischem Vorbild erhielt der Garten kunstvoll angelegte Rabatten, Pergolen, Weiher, laubbewachsene Gänge, Brunnenanlagen, Volieren, ein Löwenhaus, einen Hirschenanger und einen Fasanengarten.

Die älteste erhaltene Ansicht des Hofgartens von Merian, 1649, zeigt den Garten Ferdinands in sechs Kompartimente gegliedert: den Rennplatzgarten als Lustgarten des Erzherzogs, einen Lustgarten der Erzherzogin mit einem Irrgarten, einen Kammergarten, einen Hof- und Tiergarten, den Garten des Ballspielplatzes und den Fasanengarten mit bis zu 3.000 Fasanen. 1581 ließ Ferdinand II im Rennplatzgarten das mit 60 Zimmern ausgestattete Gartenschloss „Ruhelust“ errichten, ein ausschließliches Holzgebäude, das 1636 durch einen Brand zerstört wurde (1675 wiedererrichtet, 1728 erneut abgebrannt). Der Hofgarten war mit Teichen, Brücken, zwei Sommerhäusern und plastischem Schmuck ausgestattet. Rund 300 Terracottastatuen von Alexander Colin verkörperten vorwiegend mythologische Gestalten und waren teilweise als Brunnenfiguren um die Teiche angeordnet. Historisch erwähnt werden auch zweigeschoßige, bemalte Gänge aus Holz, die die einzelnen Gebäude untereinander und mit der Hofburg verbanden.

Nach dem dreißigjährigen Krieg diente der Hofgarten wegen Lebensmittelknappheit als Nutzgarten für Obst- und Gemüseanbau.

1763 wurde der Park unter Maria Theresia barockisiert und Mitte des 19. Jhdts. dem Zeitgeist entsprechend dem Stil des Englischen Landschaftsstils angepasst.

Mit dem Ausbau des Rennweges ab 1842 in eine zentrale Verkehrsachse wurde die ehemals zusammenhängende Parkfläche zweigeteilt. Die Mauer um den Kammergarten wurde 1938 entfernt. Die zu Ehren Ferdinands II benannte `Ferdinandsallee´ (parallel zum Rennweg) wurde 1999 aus Anlass des 50-jährigen Bestehens des Europarats von der Stadt Innsbruck in `Europaratsallee´ umbenannt.

Die letzte Umgestaltung in den Jahren 1857/58 in einen Englischen Landschaftspark ist heute noch weitgehend erhalten und diente bei der Unterschutzstellung als Referenzgestaltung. Seit 2001 steht der Hofgarten unter Denkmalschutz.

Veröffentlicht am 01.03.2020